| 2002 | 2001 | 2000 | 1999 | 1998 | 1997 | 1996 | 1995 | 1993 | Einführung | Kultur |
1994 |
||||||||||
24.11. - 7.12.1994 im Kino MOVIMENTO Kottbusser Damm 22, Berlin-Kreuzberg
2. Griechische Kinotage in Berlin Der Jugendladen Filia e.V., senatsgefördertes Selbsthilfeprojekt, organisiert zum zweiten Mal die "Griechische Kinotage in Berlin" mit finanzieller Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten. Der Erfolg des vergangenen Jahres hängt stark mit dem Interesse der Berliner Bevölkerung fürs Griechische Kino zusammen, und gab uns den Mut, unsere Kinotage weiter auszubauen. So präsentieren wir in diesem Jahr insgesamt 16 griechische Filme, während im letzten Jahr nur 8 Filme auf dem Programm standen. Unsere Filme sind sehr unterschiedlich, doch sie hängen auf ihre Art auch sehr eng zusammen. Wir haben versucht, eine Harmonie zwischen einerseits aktuellen Themen (Tod von Melina Merkouri und Tonia Marketaki, 20ter Jahrestag der Teilung Zyperns) und andererseits dem durch die Jahrzehnte des Griechischen Films aufgegriffenen Thema "Heimat" zu schaffen. Die diesjährige Zusammenarbeit mit dem Verein Griechischer Akademiker bei der Organisation wird hoffentlich nächstes Jahr auch auf die Konzeption ausgeweitet werden. Unser langfristiges Ziel ist es, ein permanentes griechisches Filmforum in Berlin einzurichten. © Nikos Pulos, FILIA Melina Merkouri, Tonia Marketaki und die Nostalgie der griechischen und zypriotischen Filme Mit Stella gelingt Griechenland 1955 der erste ausländische Erfolg und beginnt Melina Merkouris Laufbahn im Film. Als Sängerin und Tänzerin, die sich weigert, einem Mann immer zu gehören, und deswegen von einem Verschmähten erstochen wird, als Mutter in Phaedra (1961) in tödlicher Leidenschaft zu ihrem Stiefsohn und als Juwelenräuberin und Männerverführerin in Topkapi von 1963 eignet sich sich die Rolle der femme fatale an, entfaltet sie und erweitert sie vielleicht sogar auch für später, auf entgegengesetze Weise zwar, auf ihr politisches Engagement. In Nikos Papatakis' Fotografie von 1986 wird der wahnsinnige Glaube an die Echtheit eines Bildnisses mit den dafür erforderlichen Opfern und Erfindungen letztlich zur tödlichen Enttäuschung. Die Blindheit der Phantasie wird zum Symbol politischer Illusion. Ebenso wie bei dem in Paris lebenden Papatakis ist auch bei den in Berlin wohnenden Regisseuren Angeliki Antoniou und Nikos Lygouris die Utopie von Heimat das Leitmotiv. In Erevos von 1988 von Lygouris wird sie zum Ort überall nirgendwo, zu dem keine Rückkehr führt, denn sie zerbricht an der Kleinheit des Ehrgeizes, sie zu erreichen. Für den Außenstehenden in Antonious' Donousa von 1992 erscheint diese Heimat Griechenland zwar undurchschaubar, undurchdringbar, doch bloß solange versucht wird, sie zu begreifen, und dabei übersehen wird, daß ein altes Geheimnis von Haß und Liebe in ihr verborgen ist. Alexis Damianos' Evdokia von 1971, ein Film, den es zu entdecken gilt, spielt mit diesem Geheimnis. Nackt und hart, äußerst sparsam zeigt er den Rausch der Hingabe zwischen einem Offizier und einer Hure, sowie die Ächtung ihrer Leidenschaft durch die Umwelt. Die auferzwungene Isolation griechischer Partisanen in Ungarn und ihre errettende, selbsterhaltende Sehnsucht nach Heimat behandelt Lefteris Xanthopoulos in Gute Heimkehr Kamerad dokumentarisch und fiktiv vermengt. Dem entgegen steht die nichtige Freiheit griechischer Infanteristen in Dimitris Makris' Die Geschorenen von 1986. Zwischen Bordell und Drill sind sie Gefangene ihrer Heimat. Der Baum, den wir verletzten von Dimos Avdeliotis von 1986 zeigt in der sommergleichen Sorglosigkeit und Leichtigkeit einer Kindheit einen anderen, möglichen Zweig des Themas Heimat. Er ist also nicht nur für Kinder. Die Filme aus Zypern Attilas '74 (1975), Detail aus Zypern (1986), Die Vergewaltigung der Aphrodite (1985) und Unsere Mauer (1993) sind allesamt dokumentarisch bis fiktive Odysseen durch die Sehnsucht und Zerstörung der Insel, sowie Gespräche über Schuld und Nichtschuld aller am zypriotischen Kriege. Aus echter Notwendigkeit nähern sie sich einem Verständnis der geschehenen Verbrechen und der Teilung der Heimat. Mit der Vorführung von Tonia Marketakis' Der Preis der Liebe von 1984 und Kristallnächte von 1992 ist, wie auch bei den Filmen mit Melina Merkouri, ein Gedenken an die kürzlich verstorbene Künstlerin verbunden. Liebe, das Thema dieser Filme, zerbricht zwar an den Unterschieden der Gesellschaften, einmal im fin de siècle, ein andermal im Zweiten Weltkrieg, doch sie bleibt grenzenlos. In kräftiger Bildsprache sprechen die Gefühle über das Werk hinaus. © Giorgis Fotopoulos, FILIA
|
||||||||||